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Das ist heute ein ergreifender Moment, über den ich in einer ruhigeren Umgebung nachdenken möchte. Ich sitze hier unter dem Laubdach des Tiefenwalds, und dies ist meine letzte Aufzeichnung, bevor ich Castora verlasse. Wie gut erinnere ich mich an meinen ersten Tag. Etwas über eine Woche, nachdem ich den Pilgerpfad beschritten und die Prüfungen von Divitium Nava im Hohen Tempel bestanden hatte, trat ich meine Stelle in der Schmiede an. Meine jüngeren Geschwister waren anwesend, als ich im Initiationskreis stand. Mit vor Stolz und auch etwas Neid funkelnden Augen folgten sie der prunkvollen Zeremonie. Ihnen war die große Ehre zuteil geworden, mir bei meiner Arbeit auf der Insel zur Seite zu stehen; mein Schutzpatron wünschte, dass ich über sie wachen sollte, falls ihm etwas zustieße. Dafür sorgten dann auch die großen Wyrme dieser Welt. Sidony hatte mich praktisch auf der Stelle dazu abkommandiert, ein Inventar des nicht öffentlich zugänglichen Schranks zu erstellen. Diese niedere Beschäftigung wird oft den neu Initiierten zugewiesen, aber die Arbeit machte mir nichts aus. Die Schränke waren ein stiller, friedlicher Ort, an den ich mich oft zurückziehen und an dem ich innere Einkehr halten konnte. Ich weiß noch, wie ich an diesem Tag das Torrs Calare mit ganz neuen Augen betrachtete. Dieses massive Schwert war eines der ersten heiligen Geräte, die unsere Art hervorgebracht hat – lange vor meiner Zeit – und hatte in den letzten Jahren des vorhergehenden Zeitalters so manchen Riesen das Fürchten gelehrt. Die Schneide seiner Klinge war verzaubert, sodass es den Raum zwischen den Ebenen zu durchbohren und zerschneiden vermochte – vergleichbar mit der ätherischen Falte, durch welche unsere derzeitigen Gegner kommen und gehen. In der Zeit, die danach kam, wurde das Torrs Calare überall auf unserem Stern herumgezeigt und kam schließlich hier zur Ruhe. Als ich es zuletzt sah, merkte man der Klinge allmählich ihr Alter an. Sicher hätte ich es angemessen restaurieren können, aber ich bin ja auf dem Weg in die Bastionen. Jedenfalls zeugte nicht jedes Artefakt, das im Gewölbe ruht, von unserer großen Meisterschaft. Wir hoben auch ein paar misslungene Stücke auf – zur Erinnerung und Belehrung. Ich möchte die Werke des Altmeisters, die zum Großteil vor meiner Zeit entstanden sind, gewiss nicht öffentlich kritisieren. Aber die Erschaffung der Zwillingsstäbe war gekennzeichnet von falschen Schritten und unmöglichen Erwartungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich Legavo und Mulmund gern als Teil von Sidonys früherer Sammlung bezeichne. Man muss unserem Altmeister zugutehalten, dass er seinen Kameraden gestattet, seine Fehler zu archivieren und zu betrachten. Dies zeigt ein Maß von persönlicher Größe und Bescheidenheit, das seinem Vorgänger völlig abging; die Probeexemplare von Ancora wurden vernichtet, auch wenn sie keine Funktion zeigten. Diese Praxis erachtete Sidony als unnötig und wohl auch nicht besonders hilfreich. Dann ist da natürlich noch das, was von der Gegenwart bleibt. Meine ersten Exemplare des Dorat Fine sind auch in diesem Schrank gelandet. Ein exquisiter Satz von fünf verwobenen Klingen, welche die vergoldete Rüstung der Mursaat durchbohren und ihre diversen Verzauberungen sprengen können. Es war mir eine große Ehre, vom Altmeister für diese Arbeit belobigt zu werden, und ich sehe darin meinen bleibenden Beitrag zu unserer Handwerkskunst. Ich würde gern um etwas mehr Zeit bitten, möglichst noch mehr davon zu weben, einen für jeden Maestro an vorderster Front, aber Castora wird nun verlassen und auch ich muss gehen. Während ich als Konstrukteur aus der Schmiede diesen letzten Bericht vollende, möchte ich noch mein anhaltendes Bedauern zum Ausdruck bringen. Als ich anfänglich die Aufgabe erhielt, mich um die versperrten Schränke zu kümmern, bat mich Lasia herzlich, ich möge sie doch mitkommen lassen. Aber ich hielt mich lieber an die Grundsätze unserer Vorgänger, die diesen heiligen Ort gegründet hatten. Ich dachte, meine jüngere Schwester würde die Präzedenz und das Privileg unserer Traditionen noch zu schätzen lernen, wenn sie an der Reihe war, das Divitium Nava zu durchlaufen. Aber letztendlich wurde diese Gelegenheit uns und ihr entrissen. Sie durfte niemals an der Schmiede pure Ley-Magie spinnen und hat auch die Schränke nie gesehen. Ich wünschte, ich hätte ihr das alles gezeigt.