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*Das Herz des Obskuren summt, wenn Ihr es tragt. Eure Augen blitzen auf, und die alte Mursaat-Schrift auf der Schriftrolle verschiebt sich, bis sie Euch vertraut erscheint – lesbar.* Orestes war in diesen Zeiten für mich ein fester Anker, wie ich zugeben muss. Wenn mir jemand in meinen unvergoldeten Jahren gesagt hätte, dass wir einst miteinander verwoben sein würden, so wie jetzt, hätte ich ihm vermutlich seine akademischen Gewänder angezündet. Seinen Maßstäben zufolge war ich "ein richtiger kleiner Feuerbrand". Wir waren beide nicht lange nach dem Krieg mit den Sehern geboren und alt genug, um uns einer Zeit zu entsinnen, wo es noch keine Götter und Drachen gab – einer friedlicheren Zeit. Orestes war schüchtern, oft zurückgezogen, und hielt sich von allen akademischen und arkanen Wettkämpfen fern. Ihn faszinierte immer schon die Geschichte, und seine Erzeuger unterstützten seine Wissbegier; sie dachten, er würde vielleicht dereinst als verehrter Ideologe und gedanklicher Anführer der Oberschicht unseres Volkes angehören. Aber ich wusste es besser. Die Dinge, die er studierte – die Bände und Schriftrollen über den Krieg und den vorherigen Zyklus, den er zusammentrug – haben ihn verändert. Er vergrub sich aus freien Stücken in den Archiven des Großen Athenaeums und verbrachte seine Zeit damit, die neuen Generationen zu unterrichten. Er arbeitet immer noch hart und sorgt sich um seine aktuelle Gruppe von Schülern, weil er befürchtet, dass die Kühneren unter ihnen sich von gewissen fanatischen Stimmen innerhalb unserer Führung verleiten lassen könnten. Er sagt, einer seiner Schüler, Manikaz, sei durchaus vielversprechend, aber er macht sich Sorgen, dass dieser Beliebtheit und Macht anstelle von Wahrheit und Stabilität anstreben könnte. Ich entgegnete ihm, dass die Zeit den Eifer seines Schülers gewisslich abkühlen würde, so wie es auch bei mir der Fall war. --- Ich habe mich heute auf den Obstgarten-Terrassen umgehört, weil ich erfahren wollte, ob die Berichte über magische Kontamination durch die Nebeltor-Tests dort Unzufriedenheit ausgelöst haben. Es ist ärgerlich, dass ich dadurch von meiner eigenen Forschung abgehalten werde, aber ich habe gern den Finger auf dem Puls von Bava Nisos, auch Orestes zuliebe – er meidet lieber die eigentliche Stadt. Es stellte sich heraus, dass zumindest einer der Hohen Säleute, mit denen ich sprach, dem Thema recht kritisch gegenüberstand. Wenn das Wetter sich hält, steige ich vielleicht bald auf den Berg Balrior. Das ist mir zur Gewohnheit geworden, und ich bin zusammen mit Orestes schon oft oben gewesen. Er wollte es eigentlich heute Abend tun, aber ich habe ihm davon abgeraten. Morgen früh werden wir einer weiteren Vergoldung für seine Schüler beiwohnen. Es ist wirklich schade, dass er sich mit Manikaz überworfen hat. Er sagt, dass Seraf Ausflüchte für ihn macht und Baraq ihm hilft, aber ich sehe das wie mein Verwobener – mit ihm stimmt irgendetwas nicht. Wir sollten ein Auge darauf haben. --- Das Spähauge, mit dem ich mich davongemacht habe, hat eine Version von jenen am Onyx-Tor empfangen. Das Tor von Komalie hat sich geöffnet. Wenn die Titanen bis in die Stadt gelangen, wird das eine Massenpanik auslösen. Das kommt schließlich öfter vor, seit die Exekutionen unserer eigenen Verwandten begonnen haben. Meine alten Augen haben in den letzten Jahren die Verwüstung gesehen, die Manikaz angerichtet hat. Die Arroganz, der Wahnsinn, seine goldene Erscheinung, befleckt mit dem Blut Hunderter, um die Seelenbatterien am Laufen zu halten. Und dennoch kommen die Titanen. Ich kann den Gedanken kaum ertragen. Wie konnte das passieren, nach allem, was man uns abverlangt hat, und nach all den Zugeständnissen, die wir gemacht haben? Ich werde mich mit allem, was ich in der gegebenen Zeit verstauen kann, in die Bibliothek begeben. Orestes wird sicher nicht bleiben wollen, auch nicht seinen verbliebenen Schülern zuliebe. Das ist ein bitterer Gedanke: Sie trifft ja keine Schuld an alledem. Ich werde unterwegs an den Grabstätten Halt machen, mich von meinen gefallenen Geschwistern verabschieden und sie bitten, dieser uralten Seele Verzeihung zu gewähren. Diese Aufzeichnungen lasse ich bei ihnen. Dann machen wir uns auf zum Berg Balrior, und von da aus – wer weiß? Wer auch immer dies findet, sollte lange und gründlich über meine Worte nachdenken und dann über uns urteilen. So muss es sein. Lebt wohl. Darda