Wir waren nicht sehr überrascht, als wir auf Livia stießen, die gerade das Zepter von Orr benutzte, um ein Loch in das arkane Siegel zu stoßen, das die Stadt abschirmt. Zum Glück hatten ihre Aktionen bisher wohl noch keine Katastrophen verursacht. Die Zauberer hielten diesen neu eröffneten Zugang für sicher, und so nutzten wir die Gelegenheit und drangen vor nach Bava Nisos. Wir hatten gedacht, die "Stadt" würde nur aus einem riesigen Schutthaufen bestehen, aber wir fanden etwas viel Unheimlicheres vor: einen gigantischen Titan! Anscheinend hatte er schon so lange in der Stadt existiert, dass er mit den Ruinen verschmolzen und nicht mehr von ihnen zu unterscheiden war. Zumindest war das Isgarrens Theorie.
Uns blieb nicht viel Zeit, uns auf die riesige Dimension unserer Umgebung einzustellen, als wir Livia nachliefen. Wir hatten sie bald gefunden; sie kämpfte gerade gegen einen Haufen von Titanenbrut, der einen ungewöhnlich koordinierten Eindruck machte. Wir stärkten ihr den Rücken und konnten die Brut schließlich in die Flucht schlagen. Nachdem der Feind besiegt war, dachte Isgarren laut über dieses optimierte Verhalten nach. Er hielt die verbesserte Koordination der Titanenbrut für eine Art Immunreaktion, die den Titan schützen sollte.
Die Gruppe war nur allzu bereit, Livia ihren Unmut spüren zu lassen. Aber das würde wieder einmal warten müssen, denn wir stießen in der Nähe auf ein verlassenes Lager. Nachdem wir uns umgesehen hatten, wurde uns klar, dass das Lager offenbar drei Mitgliedern des Weißen Mantels gehört hatte, die ursprünglich von Caudecus hergeschickt worden waren. Ich stellte weitere Nachforschungen an und durchsuchte Schutt und hinterlassene persönliche Gegenstände, um mir ihre Geschichte zusammenreimen zu können. Dabei fand ich einige bizarre Tagebucheinträge von Richter, dem jüngsten Weißen Mantel. Zuerst hielt ich es für harmlose Verse, die eine Art Gedicht oder Gebet ergaben, und ich nahm an, dass der junge Mann einfach eine künstlerische Ader besaß. Aber je mehr ich darin las, desto irrwitziger erschienen mir die Texte. Noch verstörender war es, dass er von einer Stimme sprach, ob real oder eingebildet, die nachts immer wieder lockend nach ihm rief. Seiner Beschreibung nach schien das Flüstern ihn anzuweisen, das Nebeltor aufzumachen. Richter war natürlich geistig angeschlagen und seine Niederschrift kann nicht als objektiver Beweis gelten, aber wenn das alles stimmt, ist der Weiße Mantel definitiv verantwortlich für das Öffnen des Nebeltors.
Ich stieß wieder zu meiner Gruppe, um ihnen diese Neuigkeiten mitzuteilen. Aber ich geriet mitten in einen noch hitzigeren Streit als beim letzten Mal. Diesmal war Anise endgültig der Geduldsfaden gerissen. Milde ausgedrückt teilte sie Livia überaus deutlich mit, was sie von ihren Aktionen hielt. Die Auseinandersetzung eskalierte immer weiter, und die Moral des Teams wurde davon sichtlich beeinträchtigt. Da sonst niemand bereit war, mit Livia zu kooperieren, willigte ich ein, mit ihr gemeinsam weiter in die Stadt vorzustoßen. Die anderen würden inzwischen zusammenbleiben und den Rest der Gegend erkunden. Mit dieser Strategie wollten wir die Gruppe beisammenhalten und allen die Gelegenheit geben, sich zu beruhigen. Außerdem kann es nichts schaden, wenn ich ein Auge auf Livia habe.