Guild Wars 2 Datenbank

Wie erwartet machte der Mangel an Nahrungsquellen den anderen viel eher zu schaffen als mir. Beide waren verärgert, dass ich nicht jagen wollte. Tatyanna nannte mich "egoistisch", und Ulrich schimpfte leise vor sich hin. Ich sagte ihnen, wenn sie aufhören würden, Energie an das Gejammer über Hunger zu verschwenden, ginge es ihnen gleich viel besser. Danach waren sie dann erst mal still. Aber ich habe mich seither auch meistens abseits gehalten. Meinerseits betrachte ich den nagenden Hunger als idealen Aufhänger für Meditationen. Was als Nächstes passierte, schreibe ich diesem Zustand besonderer Klarheit zu. Spät am gestrigen Abend hörte ich von irgendwo aus der Tiefe der Dunkelheit etwas rufen. War es das, was Tatyanna behauptet, zu hören, wenn Ulrich und ich uns ohne sie in die Ruinen vorwagen? Es begann als leises Grollen. Ich war schon fast eingeschlafen und hielt es erst für Donner in der Ferne. Dann konnte ich zusammenhängende Worte vernehmen ... "Sie sehen nicht, was in Euch schlummert ... wozu Ihr fähig seid ..." Jetzt war ich hellwach und beschloss, mich in die Nacht hinauszuwagen. Ich versuchte, die Richtung auszumachen, und zog los. Dabei war ich immer noch nicht sicher, ob dies die Realität war oder nur ein Traum. Aber da rief mich die Stimme erneut: "Ihr seid ein ehrenwerter Mann ... Bitte, helft mir ..." Dann herrschte Stille, bis auf den rauschenden Wind. Für den Rest der Nacht lag ich wach, irgendwo zwischen Meditation und Benommenheit. Hatte ich mir das eingebildet? War diese Stimme meinem leeren Magen zuzuschreiben? Hatte mein einsamer Geist der Tiefe des Abgrunds einen Inhalt geben wollen? Nein. Es war Wirklichkeit. So klar wie das Läuten einer einsamen Glocke von jenseits der Schlucht. "Ihr seid ein ehrenwerter Mann." Ich verbrachte die Nacht damit, über die Botschaft und ihre Quelle nachzudenken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den anderen davon erzählen sollte – es könnte sein, dass Tatyanna dann endgültig verrückt wird, und ich bin nicht sicher, was Ulrich alles unternehmen würde, um die Mission für unseren falschen Propheten nicht zu gefährden. Außerdem scheint ihnen ja an meiner Gesellschaft nicht viel gelegen zu sein. Aber das ist jetzt unwichtig. Seit ich denken kann, musste ich immer schon die Flut des Lebens allein durch waten. Saul hat ja ebenfalls seine immense Offenbarung für sich behalten müssen. Aber er hat ihr Licht nicht gehortet, sondern hat es wie eine Laterne vor sich hergetragen, um jenen in seiner Nähe zu leuchten, damit auch sie den Weg sehen konnten. -------------------- Als Gefäß der Ergebenheit bitte ich um die Kraft, meiner Rolle als Führer gerecht zu werden und jene, die nicht sehen, auf den rechten Pfad zu bringen. Möge ich als Gabe dienen und mein Körper als Opfer, eine Transmutation des sterblichen Fleisches. Ich bin das Votiv, die brennende Flamme, durch welche die Dunkelheit sich dem Licht beugt. Ich habe mir das nicht ausgesucht, sondern ich wurde erwählt, um den Weg zu erleuchten. --------------------