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Nachdem ich die ganze Nacht mit mir gerungen hatte, kam ich zu dem Schluss, dass es meine Pflicht war, Ulrich und Tatyanna zu erzählen, was ich gehört hatte. Wie erwartet tat Ulrich es als vom Hunger hervorgerufenen Fiebertraum ab. Er versuchte offensichtlich, die letzten Reste von Tatyannas geistiger Gesundheit zu schützen. Sie selbst gab sich interessiert, trug aber mit keinem Wort zu dem Gespräch bei. Dann ist es eben so. Wenn ich mich als "ehrbaren Mann" etablieren will, muss ich dafür sorgen, dass sie das irgendwann genauso sehen. Nachtrag 1: Die Situation ist eskaliert. Wir haben wieder über Essen gestritten. Ich will jetzt nicht sämtliche Einzelheiten nochmals wiedergeben. Aber Ulrich ging so weit, mir vorzuwerfen, dass meine anfängliche Weigerung zu jagen maßgeblich zu unserem Niedergang beigetragen hat. Er behauptete, wenn wir Bava Nisos in besserer Verfassung erreicht hätten, könnten wir unseren derzeitigen Nahrungsmangel besser aushalten. Ich gebe zu, dass mich das dermaßen ärgerte, dass ich meinen Schwur, den Unwissenden ein Leitstern zu sein, kurzzeitig vergaß. Ich bescheinigte ihm, dass er aufgrund seiner Unfähigkeit, auch nur die kleinsten weltlichen Unannehmlichkeiten zu ertragen, niemals mehr sein würde als ein bloßer Speichellecker. Und dass ihm sein Hunger nach Essen wohl kaum so zusetzen konnte wie sein Hunger nach der kleinsten Anerkennung durch Caudecus. Daraufhin bezichtigte mich Ulrich der Eifersucht und ging sogar so weit, dass er Caudecus' "abweisende" Haltung mir gegenüber entschuldigte. Dieser Gedanke war so verrückt, dass ich in Gelächter ausbrach. Er sagte, ich hätte den Verstand verloren, und rannte hinaus in die Nacht. Tatyanna und ich ziehen uns jetzt jeweils schweigend zurück, wenn es Nacht wird, und man hört aus unseren Zelten nur noch manchmal das Kratzen von Federn auf Pergament. Ich wusste gar nicht, dass sie Tagebuch führt, aber ich habe ja gesehen, dass sie an Caudecus schreibt. Während Ulrichs Ergebenheit sich als Schrei nach Anerkennung deuten lässt, steckt bei Tatyanna der verzweifelte Wunsch dahinter, dazuzugehören. Das kann ich nachvollziehen. Mir ging es ebenso, als ich dem Weißen Mantel beitrat. Aber ich behielt dabei die Fähigkeit, Dinge zu hinterfragen und kritisch zu denken. Und darin unterscheiden wir uns. ------------------ In meinen Anwandlungen von Schwäche vergebt mir, wenn ich vergesse, den Hochmut anderer nicht als gezielte Bosheit, sondern als Folge von Ignoranz zu erkennen. Saul selbst hat den Gedanken verkörpert, dass niemand diesem Leben entkommt und dabei frei von der Versuchung durch sterbliche Torheit bleibt. Möge es nicht zur Scham gereichen, sondern als eine Quelle dienen, aus der Verständnis sprudelt. ------------------ Nachtrag 2: Er ruft mich noch einmal, mitten in der Nacht: "Meine letzte Hoffnung hat mich hier meinem Schicksal überlassen ... Bitte ... helft mir ... näher ... kommt näher ..." Ich muss ihn finden. Sein Schicksal ist nun mit meinem verknüpft.