*Dieses einst in Ehren gehaltene Tagebuch ist nun völlig zerfetzt. Viele Seiten fehlen.*
Es ist jetzt schon einige Jahre her, dass der Beichtvater uns verlassen und beauftragt hat, seine Mission zu erfüllen. Wenn mich die Inspiration verlässt, sehe ich mir wieder die Nachricht an, die er mir hinterlassen hat – meine göttliche Anweisung, ihm den Weg zu bereiten, während er den Marsch gegen unsere Feinde in Kryta anführt:
"Findet einen Weg nach Bava Nisos, in die Stadt der Ungesehenen. Saul hat mich hierhergeführt, und unsere Erlösung wird uns aufgezeigt. Öffnet das Tor."
Bis diese Mission erfüllt ist, werden wir Janthir weiter durchstöbern. Dies ist meine einzige Aufgabe; bei zu vielen anderen habe ich im Leben bereits versagt. Der Beichtvater soll stolz auf mich sein, und Mutter soll es noch leidtun, dass sie mich visionslos genannt und aus meinem Zuhause verbannt hat.
---
Es gibt hier keine Anzeichen für eine Stadt – nur die Ruinen von Gavril. Gern wüsste ich mehr über diesen zerstörten Ort und die Leute, die vor uns hier gelebt haben. Caudceus hat dazu verschiedene Unterlagen gefunden, aber er hat sie alle verbrannt, bevor er ging. Er sagte, sie hätten Geheimnisse von Saul enthalten, die außer ihm niemand kennen durfte, und dass wir dessen nicht würdig seien. Richter hat sich hierzu im Laufe der Jahre mehrfach skeptisch geäußert, aber Tatyanna zeigt sich fromm wie immer. Sie betet täglich.
Wir haben uns hier in Gavril ganz nett häuslich eingerichtet – die meisten Ruinen sind nicht zugänglich, aber Richter hat den Weg zum alten Dorfkrug freigeräumt. Die Innenräume sind voll mit Schutt, aber es bleibt noch genügend Platz. Tatyanna hat ihr eigenes Zimmer. Richter und ich schlafen in der "Küche" (das ist der Raum, wo sich der einzige Kochtopf und der Proviantkorb befinden). Mehr braucht man doch nicht?
---
Als Richter und ich gerade versuchten, eine kleine Gruppe von Kodan zu meiden, die sich auf die Insel vorgewagt hatten, warf uns ein Energiestoß zu Boden. Es dröhnte mir in den Ohren und ich bekam Nasenbluten – genau wie beim letzten Mal, als wir versucht hatten, weiter in die Bucht vorzustoßen. Eilig liefen wir zurück zu Tatyanna.
Wir durchsuchten die Insel und gingen dabei den Kodan aus dem Weg, aber es sah alles aus wie vorher. Gerade bevor wir uns wieder dem Dorfkrug zuwandten, bemerkte Richter etwas im Norden der Bucht. Ganz in der Ferne, etwa eine Tagesreise im Ruderboot entfernt, erhob sich eine Felsformation aus dem Nebel, die mir noch nie zuvor aufgefallen war.
Verwirrt kramte ich in meinen Erinnerungen von früheren Reisen – da hatten wir tagelang an genau derselben Stelle geangelt. Es schien mir, der Fels sei immer schon dagewesen, aber er hatte nun etwas Frisches an sich, was mir Kopfschmerzen bereitete. Richter rieb sich die Schläfen – auch ihm brummte der Schädel. Tatyanna erinnerte uns daran, dass bestimmte Mesmer-Verzauberungen ähnliches Kopfweh verursachen – besonders jene, die unsere Gedanken manipulieren. Sie meinte, es könne doch sein, dass wir einfach einer Verzauberung unterlagen.